Neuer Rundbrief


Rundbrief 179 (Juli 2020)

Offener Brief von
Frei Betto

Brasilien ist täglich katastrophaler von der Corona-Pandemie betroffen. Die Bolsonaro-Regierung versagt auf ganzer Linie. In einem offenen Brief erhebt Frei Betto, ein bekannter Befreiungstheologe, den Vorwurf des Genozids am eigenen Volk. Ob dieser Vorwurf zutrifft oder ob es sich nur um das fürchterliche Versagen einer verblendeten Regierung handelt, können wir letztlich nicht entscheiden. Wir halten es aber trotzdem für richtig, diesen Brief zu veröffentlichen, da er die ohnmächtige Lage in Brasilien und die tiefe Zerrissenheit des Landes widerspiegelt.
Offener Brief

Nothilfe Brasilien

Wir unterstüzen die Hilfskampagne „Cesta Básica“, mir der eine Hungerkatastophe der ärmeren Bevölkerungsschichten aufgrund der Corona-Pandemie  verhindert werden soll. Weitere Informationen sind unserer Presseverlautbarung zu entnehmen, die (gekürzt) auch schon in der Presse abgedruckt wurde.

Bitte spenden Sie unter dem Stichwort „Nothilfe“ auf unser Konto
IBAN: DE34 7005 3070 0003 5892 98
Bei Angabe der Adresse erhalten Sie eine Spendenquittung

 

Mitgliederversammlung abgesagt

Es ist noch nicht absehbar, wann die Mitgliederversammlung nachgeholt werden kann.

Ergebnis der Mitgliederbefragung zum Haushalt 2020

Es stimmten 130 von 175 Berechtigten ab.
Alle stimmten dem Haushaltsplan zu. 

Vielen Dank für die äußerst rege Teilnahme

Brasilien und unsere Partner in Zeiten von Corona

Die Pandemie hat Brasilien mit voller Wucht getroffen unter einem Präsidenten, der Corona lediglich als eine Erkältungswelle einstuft und der allein die Wirtschaft im Blick hat. Die Situation in den beengten Wohnverhältnissen der Favelas ist dramatisch aber die Menschen sind Präsident Bolsonaro gleichgültig. Insbesondere sind auch Indigene durch das von Bolsonaro akzeptierte Eindringen von Holzfällern und Investoren für Ackerland durch damit verbundene Kontakte erheblich gefährdet. Wilde Landnahmen werden nicht nur hingenommen, auch Mitgliedern von IBAMA drohen Entlassung, wenn sie Eindringlinge in Indianerland vertreiben und deren Gerätschaften zerstören. So berichtet IRPAA von Gewalt gegen traditionelle Landgemeinden. Justiz und Polizei bekommen dafür praktisch einen Freibrief. Die Versammlungen mit den Gemeinden sind auf Video beschränkt.
Die CPT berichtet von 1.833 Landkonflikten und einem Anstieg von 23 % gegenüber 2018 mit 859.023 Betroffenen. 32 Menschen wurden demnach in 2019 dabei umgebracht, eine Steigerung von 14 % gegenüber dem Vorjahr. Ein brutaler Angriff auf die Landlosensiedlung „Abril Vermelho“ mit großem Polizeiaufgebot soll hier kurz angesprochen werden. „Sie kamen, zündeten Hütten an, fuhren mit Baggern und Traktoren über alles darüber, selbst über einen Schweinestall mit den Tieren, feuerten Gummigeschosse auf uns und ein Hubschrauber flog währenddessen über unsere Köpfe hinweg. Für uns, die wir den Traum vom eigenen Land verwirklichen wollen, ist dies eine schwierige Situation. Wir sind schockiert aber sie werden uns nicht unterkriegen.“

Berichte unserer Projektpartner

  • P11 Brincadeira
    Die Schule ist geschlossen, aber man versucht online so viel wie möglich aufrecht zu erhalten.
    Details im Bericht von Bruder Rudolf
  • P23 Oratorio da Divina Providencia
    Die Kindertagesstätte ist geschlossen. Unterstützung durch Verteilung von Hilfspaketen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln
    Ausführlicher Bericht und Hintergrundinformationen
  • P55 Centru Mandacaru
    Die Schule ist geschlossen; es wird ein eingeschränkter Untericht auf „Papierbasis“ aufrechterhalten, bei dem gedruckte Unterlagen und Aufgaben verteilt und Lösungen zurückgesendet werden.
    Die landwirtschaftlichen Aktivitäten werden so weit möglich aufrecht erhalten, Beratung erfolgt weitgehend telefonisch. Neue landwirtschaftliche Projekte und der Zisternenbau sind verschoben. An gefährdete Familien werden Lebensmittelpakete verteilt. 
  • P57 Cepane
    In Sao Bento werden Personen bei der Einreise bzw. der Ausreise auf Corona untersucht; es gelten Maskenpflicht sowie Hygiene- und Abstandsregeln. Die Ernährungssituation ist nicht dramatisch; die Stadt versorgt Bedürftige mit Essenspaketen. Die Arbeit von Cepane ist durch die Coronamaßnahmen eingeschränkt, kann aber weitergeführt werden.
  • 75 Xukuru
    Indigene sind durch Corona besonders gefährdet. Bei den Xukuru gab es bis jetzt 12 Erkrankungen. 9 Personen sind genesen, 3 noch erkrankt. Die Chance, dass auch sie die Krankheit ohne Folgeschäden überstehen, ist groß.
  • 76 IRPAA
    In Juazeiro sind die Geschäfte nur noch an 3 Tagen pro Woche geöffnet. Von 18 Uhr bis 5 Uhr morgens besteht eine Ausgangssperre. Es ist nicht möglich, Versammlungen und Schulungen abzuhalten, so dass die Kontakte online – aufgrund der schlechten Internetabdeckung allerdings nur mit Einschränkungen – oder per Telefon erfolgen. Dies ist auch bitter nötig, denn die Konflikte mit den großen Unternehmen des Agro- und Hydrobusiness dauern unvermindert an. Diese Unternehmen halten sich auch nicht  an die Abstandsregelungen. Die Familien in einigen Landgemeinden haben Angst vor der Pandemie aber auch vor Schwierigkeiten mit anderen Dorfbewohnern, die selbst oder deren Verwandte bei den Unternehmen arbeiten.
    Ausführlicher Bericht

Brief von Bernardo Rosemeyer an Brasilien-Cooperative Haltern mit vielen weiteren Informationen

Neues Video aus Brasilien

Film unseres Partners Fundacão do Caminho
(Portugiesisch mit englischen Untertiteln)
Hier starten für externen Link zu YouTube

Positionspapier der Brasilieninitiativen Kobra vom 10.11.2019

Keine Geschäfte mit Brasilien auf Kosten von Mensch und Natur

Das Positionspapier betont, dass die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards durch Unternehmen auf freiwilliger Basis nur in geringen Maße erfolgt und dass ein gesetzlicher Rahmen in Form eines Lieferkettengesetz unedingt erforderlich ist.